Annie Oakley Scrapbook (Part 2 -- German and Greek)

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Von Buffalo Bill's Wild West. Getreues Conterfei der schönen Meister-Schützin Miß Oakley als kühne Prairien-Parforce-Reiterin

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Erstes Beiblatt

Wunderbar sind auch die Leistungen im Schießen der Buffalo Bill-Truppe. Fräulein Annie Oakley, ein Kind, schießt in die Luft geworfenen Kugeln nicht nur, daß es nur so kracht, sondern auch, daß es nur so trifft; und dabei ist es ganz gleichgiltig, ob sie so zielt, wie es ein gewöhnlicher Schütze thut, oder ob sie sich umdreht, und, durch einen Spiegel zielend, über ihre Schulter schießt. Die gleiche Virtuosität zeigt Herr C. L. Daly im Revolverschießen. Der Chef der Truppe, Colonel Cody, ist damit natürlich noch nicht zufrieden. Er schießt, während er Galopp reitet, in die Luft, um die dorthin geworfenen Kugeln mit ziemlich unfehlbarer Sicherheit zu treffen. Ein bewundernwerther besonderer Trick von ihm ist, die hochgeworfenen Kugeln erst anzuschießen, ohne daß sie zerspringen, und dann beim zweiten Schusse dieselben Kugeln nochmals zu treffen. Buffalo Bill hat auch damit sein Ziel getroffen, daß er, der alte Pfadfinder, jetzt den Pfad nach Berlin gefunden hat. Er wird auch das Berliner Publikum stets zahlreich bei sich treffen.

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die Vorstellungen der Buffalo Bill - Wild - West - Gesellschaft des Unterhaltenden und Spannenden außerordentlich viel bieten. Der Besuch der Vorstellungen erfährt deshalb auch von Tag zu Tag eine ungeahnte Zunahme, und da von den Dörfern, Flecken und Städten der näheren und ferneren Umgebung täglich ungezählte Schaaren von Fremden zu dem Zwecke hier eintreffen, haben sich sowohl Staatsbahn wie Landesbahn zur Veranstaltung von Sonderzügen entschlossen. Obgleich z. B. die Pferdebahn gestern Nachmittag mit dreifachem Betriebe nach dem St. Leonhardplatze fuhr, die Omnibuse und Droschken vollbesetzt hinausjagten, genügten diese öffentlichen Verkehrsmittel nicht, um dem Andrange der Menge gerecht zu werden. - So interessant die Vorstellungen von Buffalo Bill´s Wild West auch sind, ein Besuch im Lager der Gesellschaft während ihrer Ruhestunden bietet auch der fesselnden Bilder nicht wenige. An den Tischen der Restauration sitzen in Gruppen Mitglieder der Gesellschaft - Rothhäute, Cowboys und Mexicaner friedlich vereint - und bieten dem Glücke durch Würfeln die Hand, ihre Mittel erlauben ihnen das, erhält doch das geringst besoldete Mitglied 30 Dollars, also mehr denn 120 Mk., monatlich, eine wirklich reichlich bemessene Besoldung, da ihnen außerdem völlig freie Verpflegung mit ganz vorzüglicher Kost gewährt wird. Im Zeltlager herrscht zumeist Ruhe. Zunächst fällt das am Eingange belegene Zelt des Oberst Cody (Buffalo Bill´s) schon dadurch in die Augen, daß ein prächtiger, kunstreich ausgestopfter Büffelkopf dem Eintretenden entgegen schaut. Das Innere des Zeltes ist auf das Sauberste ausgestattet mit Thierfellen, Degen und Emblemen aller Art, mit zahlreichen Andenken an de Heimath des Besitzers der Wohnung, sowie an die Städte, welche er mit seiner Truppe berührte, bezw. wo er Aufenthalt nahm, u. A. werden die Wände von zwei herrlichen Stichen, Pferdeköpfen von Rosa Bonheur, geschmückt, welche, wie eine Widmung besagt, von der berühmten Thiermalerin dem Oberst geschenkt sind. An der Friedhofsseite zieht sich dann eine große Zeltstraße hin. Die Zelte der Cowboys und des sonstigen Personals sind zumeist offen. Mit einem gewissen Bewundern mustert man den bescheidenen und doch anheimelnden Comfort, der in ihnen herrscht: Teppiche auf dem Boden, Diwans, Spiegel, Lampe, Vogelkäfige mit singenden Insassen, glänzende Waffen u. s. w. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich die leicht erkenntlichen Indianerzelte mit ihrer conischen Form. Ihre Herstellung ist sehr einfach. Fünfzehn Stangen werden wie bajonettierte Gewehre aneinander gelehnt, am Kreuzungspunkte zusammengebunden und das Gerüst mit wasserdichter Leinwand überzogen. Ein einfacher Schlitz durch den Stoff bildet den unbequemen Eingang. Bei schönem Wetter bleibt die Spitze des kegelförmigen Gebäudes unbedeckt, an kalten Tagen erhalten die Rothhäute einen kleinen Ofen zur Verfügung. Die innere Ausstattung ist so primitiv wie die äußere, welche in unbeholfenen Malereien besteht, die Pferde, Menschen, Thiere mit Menschenköpfen u. s. w. darstellen. Auf den einfachen Matratzen liegen oder sitzen die Indianer, theils dem Schlafe sich hingebend, theils der Restaurirung ihrer Gewänder und Schmuckstücke sich widmend. Schweigsamkeit der Insassen ist das Charakteristische dieser Wigwams. Desto mehr Leben und Thätigkeit herrscht am südlichen Ende der Zeltstraße, wo - ebenfalls in einem Leinenzelte - etwa sechs Amerikaner mit dem Herstellen von blinden und scharfen Patronen beschäftigt sind, und rege Thätigkeit ist hier durchaus nothwendig. Werden doch täglich nicht weniger denn 1900 bis 2000 Schuß abgegeben. Nahe dabei übt die graziöse Schützin Miß Annie Oakley ihre Kunstfertigkeit im Treffen von in die Luft geworfenen Kugeln und Geldstücken. Fräulein Oakley, eine recht anziehende Erscheinung, geht bereits seit ihrem zehnten Jahre mit Feuerwaffen um und hat es in deren Gebrauch so weit gebracht, wie kaum Jemand zuvor. Sie schießt in die Luft geworfene Kugeln freihändig mit einer Sicherheit, die geradezu verblüffend wirken muß. Sie wirft Kugeln selbst empor, ergreift dann erst die auf dem Boden liegende Flinte und trifft die niederfallenden Kugeln -

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Berliner Börsen - Zeitung Nr. 339.

Nunmehr begannen die eigentlichen Vorstellungen, zunächst ein Rennen zwischen einem Indianer, einem Mexicaner und einem Cowboy - zu Pferde natürlich. Dann producirte sich Miß Oakley, ein blutjunges Dämchen, das mit den geübtesten Kunstschützen um die Palme ringen kann. In den Schatten gestellt wurde sie jedoch später durch den kleinen John Baker, der in allen möglichen und unmöglichen Lagen und Stellungen, schließlich sogar auf dem Kopfe stehend, die Glaskugeln aus der Luft herunterholte. Ein riesiger Kranz war sein Lohn. Da wir einmal beim Schießen sind, so sei gleich auch der gewandte Pistolen- und Revolver-Schütze Mr. Daly erwähnt, ebenso Buffalo-Bill selbst, der im gestreckten Galopp die Glaskugeln herunterschießt, die eine vor ihm reitende Indianerin in die Luft schleudert. Doch alle Einzelheiten des Programms aufzuzählen, würde zu weit führen; es seien deshalb nur die Hauptnummern hervorgehoben. Wie gemüthlich kommt der Auswandererzug dahergefahren! Voran als Führer ein alter Trapper, auf dem ersten Wagen neben dem Kutscher eine freundliche Alte, die behaglich ihren Strupf strickt. Jäh wird das Idyll durch eine heranspringende Indianderhorde unterbrochen. Um die armen Emigranten scheint es geschehen zu sein, aber in der Gestalt von Grenzbewohnern nahen die Retter, welche die Rothhäute in die Flucht schlagen. Darob große Freude, welche ihren schönsten Ausdruck darin findet, daß die jüngeren der befreiten Damen mit einigen ihrer kühnen Retter Quadrille reiten. Auf historischer Grundlage beruht angeblich der Einzelkampf zwischen Buffalo-Bill und dem Häuptling Gelbhand, der allerdings hier duch andere Personen dargestellt wurde, schon aus dem einfachen Grunde, weil einer der Betheiligten, eben besagter Gelbhand, bei genannter Gelegenheit seine Heldenseeele ausgehaucht hat. Auch die beiden Stellverteter machen ihre Sache brav, wenngleich wohl niemand sich so weit versteigen wird, wie der schwungvolle Sänger des gedruckten Programms, der diesen Kampf in Parallele stellt mit demjenigen der "Horatci" und "Coratci" - so wörtlich zu lesen in dem Musterprogramm.

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Beiblatt der Freisinnigen Zeitung.

Vor einem sehr zahlreichen Publikum, das dichtgedrängt sie sehr komfortabel angelegten Logen und Tribünen füllte, hat nun Mittwoch Nachmittag die erste Vorstellung von Buffalo Bill´s Wild - West stattgefunden. Diese Produktionen unterscheiden sich schon insofern vorteilhaft von denen vieler anderer wilden Truppen, als es sich hier nicht um die Schaustellung eingelernter Szenen handelt, sondern um die ungeschminkte Wiedergabe des Lebens jener unserer Kultur so entlegenen Weltstriche. Aber freilich - Buffalo Bills Truppe ist schon einige Jahre in Europa und so ist es natürlich, daß in einigen Vorführungen sich doch bereits ein leichter Mangel an Ursprünglichkeit geltend macht. Aber dies ist doch nur sehr selten der Fall, so in der Darstellung, welche eine Wiedergabe des Zweikampfes zwischen Buffalo Bill und dem Sioux Häuptling Yellow-Hand vom Jahre 1875 sein soll und in dem Angriff auf das Grenzdorf. Dieser Eindruck verschwindet aber sofort, sobald Indianer und Cowboys und Vaqueros auf ihren behenden, zähen, im Laufen kaum den Boden berührenden Pferden, welche von der spanischen, durch Cortez in Mexico eingeführten Rasse abstammen, dahinjagen und über die weite Fläche hin sich das bunte, reichbewegte Bild der durcheinander stürmenden Reiter entwickelt. Mit einem Sprung sind sie vom Pferde und wieder im Sattel - dies zeigt besonders die interessante Darstellung der ehemaligen Ponypost, bei der der Reiter alle zehn Meilen das Pferd wechseln und fünfzig Meilen ohne Anhalten reiten mußte. Die 16 Nummern umfassenden Produktionen enthalten mehrere Darstellungen früherer Einrichtungen West-Amerikas. So wird u. A. auch die echte "Old Dead word Coach" vorgeführt, ein historischer alter Postwagen, in dem nach der Versicherung des Programms bereits "zwei Präsidenten der Vereinigten Staaten, vier Könige und andere Fürstlichkeiten" gefahren sind und in die auch heute eine amerikanische Familie pietätvoll hineinstieg, um sich von den heranstürmenden Indianern angreifen zu lassen. Und all diese Indianer-Attacken, all diese Kämpfe zwischen den westamerikanischen Kuhhirten und ihren indianischen Gegnern sind um so instruktiver als dramatischer, als in beiden Parteien noch Männer vorhanden sind, die wirklich einander früher feindlich gegenüber gestanden haben. Wir sind zwar nicht der Meinung Brick Pomeroys, der eine solche Vorstellung Buffalo Bills für wichtiger hält als das ganze Drama von "Romeo und Julia", aber fesselnd und lehrreich ist dieses Bild, das die Produktionen von den Gebräuchen und der Lebensweise im fernen Westen der Union entrollen, in hohem Maße. Dazu kommt, daß Menschen- und Tiermaterial der Truppe ein außerordentlich gutes ist. Welch verblüffend sichere Schützin, welch´ tollkühne gewandte Reiterin ist diese, aus Far-West stammende Anny Oakley. Außer ihr und Buffalo Bill, der besonders zu Pferde ungemein stattlich repräsentirt, besitzt die Truppe in dem kleinen J. Broker und in C. Daly noch zwei Schützen von erstaunlicher Ttreffsicherheit - ersterer schießt und trifft sogar auf dem Kopfe stehend. Von großer Wirkung war die Vorführung der Bucking-Pferde, die sich keinem Reiter fügen wollen: das eine der Tiere erhob sich kerzengerad und ließ sich dann auf den Rücken fallen, um dem Reiter zu entgehen. Das Lassowerfen, die Büffeljagd, Wettreiten von Hinterwäldlerinnen und Indianerknaben bilden das weitere Programm dieser Vorstellungen, die ihren Höhepunkt erreichen, wenn der Boden erdröhnt von den Hufschlägen der dahinwirbelnden Rosse. Nach der Vorstellung biete eine Wanderung durch die Lagerzelte immer wieder Neues und Fesselndes und hier besonders gewinnt man den Eindruck, daß es nicht eine bloße Schaustellung ist, die Buffalo Bill, der berühmte Kundschafter der amerikanischen Regierung hier bietet, sondern ein ebenso abwechselndes wie getreues Bild wirklichen Lebens, erhöht durch die zahlreichen echten Gerätschaften, Waffen &c. die sich in reicher Fülle besonders in dem reichen Zelte Buffalo Bills finden.

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